Mittwoch, 16. Februar 2011

Ben Bernanke und die Krise

Einen unverblümten Einblick in die Gedankenwelt von US-Notenbankchef Ben Bernanke gibt ein Anfang Februar 2011 veröffentlichtes, bislang vertrauliches Protokoll des US-Untersuchungsausschusses einer Anhörung im November 2009 (Übersetzung B4RP):

Ausschußmitglied Thompson:


Keine Katastrophe dieses Ausmaßes ereignet sich ohne frühe Warnsignale, daß etwas schiefläuft. Was waren die Warnsignale bei dieser Katastrophe? Hätten wir danach gehandelt, hätten wir das Desaster abwenden können?”

Ben Bernanke:

Hm, ich weiß es nicht, darüber muß ich nachdenken. Ich glaube, es gab Leute…es gab Leute, auch bei der FED, aber auch anderswo, die im Jahr vor der Krise sagten, daß Risiken nicht angemessen eingepreist war, daß Kreditspannen sehr eng waren, daß die Märkte überschwänglich erschienen, daß Liquidität in gewissem Sinne überbordend war.“ (Anm. B4RP: auch heute gibt es wieder „Leute“, die genau davor warnen. Wir begrüßen aber den Ende 2009 (!) gefaßten Entschluß von Bernanke, über frühe Warnsignale nachdenken zu wollen). Es gab Leute – wissen Sie, ich will es vielleicht so sagen: es gab Leute – nicht notwendigerweise immer dieselben, die unterschiedliche Teile des Problems identifiziert haben. Wissen Sie, es gab Leute, die sich Sorgen über Derivate machten; es gab Leute, die über Schrotthypotheken (subprime mortgages) besorgt waren, es gab Leute, denen das allgemeine Kreditumfeld Sorgen bereitete und es gab Leute, die sich über außerbilanzielle Vehikel sorgten. Aber ich glaube, daß entgegen der Behauptungen von ein oder zwei Leuten, die heute gewissermaßen davon leben, daß sie – ich zitiere – „die Krise vorhergesagt hätten“, die Interaktion dieser Probleme, die sich zum „perfekten Sturm“ zusammengebraut haben, so kompliziert und riesig war, daß ich zumindest mir darüber sicherlich nicht im klaren war. Was auch immer das jetzt bringt – und es könnte einfach an meiner Unzulänglichkeit liegen – aber mir war niemand bewußt, der irgendeine Art von umfassender Warnung geäußert hätte.

Das Protokoll:

Businessweek und Wirtschaftsfacts.de zum selben Thema:

Update:
Karl Denninger zum selben Thema:

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