Mittwoch, 3. März 2010

Nicht über den Euro lästern!

In USA kann das problematisch werden, zumindest wenn man ein "Spekulant" ist, meldet das Wall-Street-Journal:

"The Journal article disclosed that the big euro bets were emerging amid gatherings including an "idea dinner" involving a number of hedge funds including SAC, Greenlight and Soros, where a trader argued that the euro is likely to fall to "parity," or equal to, against the dollar on an exchange basis. The euro currently trades at $1.3609. One of the questions investigators are likely to examine is whether such information-sharing constitutes collusion, the people say.
...
At one such gathering, a dinner on Feb. 8 at a Manhattan restaurant, an SAC portfolio manager said he believed the euro could fall to a level equal to that of the dollar and urged other traders to "short," or bet against, the euro as his firm had, according to people at the dinner. The size of the bets against the euro is unclear."

Fundort:
http://www.businessinsider.com/you-know-the-euro-is-toast-because-now-even-the-us-is-cracking-down-on-its-speculators-2010-3

Meine Meinung:
Daß Banken wie Goldman Sachs Wertpapiere nur deswegen konstruiert haben, damit ihr Kunde A dagegen wetten kann und Kunde B, der sie gekauft hat, darüber nicht informiert wurde, stört doch auch kaum jemanden. In Sachen Staatsverschuldung sehe ich die "Spekulanten" eher als Sündenböcke. Hedgefonds haben jedenfalls nicht die Verschuldung hochgetrieben.

Kommentare:

Christoph hat gesagt…

"Kunde A dagegen wetten kann"

Das "Dagegenwetten" macht GoldmanSucks schon selber, dafür brauchen die keinen Kunden A.

Fabio Bossi hat gesagt…

Das war eine Anspielung auf die Machenschaften von John Paulson. Der wollte bestimmte CDOs haben, um sie leerverkaufen zu können. Goldman hat sie ihm gebastelt. Ohne Kunde A (in dem Fall Paulson), hätte es diese Papiere in dem speziellen Fall nicht gegeben. Sowas werfen ja jetzt einige Politiker den CDS-Spekulanten vor.

Christoph hat gesagt…

Schon klar.

Das finde ich aber gar nicht schlimm. Paulson will CDOs shorten und irgendein Depp (= irgendeine deutsche Landesbank/HRE) will sich CDOs ins Depot legen.
So what? Sind doch alle glücklich.

Das richtig Kriminelle ist der Insiderwissen&Frontrunning-Eigenhandel von GS.

Fabio Bossi hat gesagt…

Grundsätzlich bin ich Deiner Meinung. Grundsätzlich ist es aber auch andersherum. Es gibt CDOs und irgendjemand nimmt eben eine konträre Position ein - mit vollem Risiko.
Hier sind aber solche Papiere speziell von Paulson und GS konstruiert worden. Angeblich wurde sogar spezielle Tranchen beigemischt, die besonders toxisch waren, wo also beide Beteiligten ziemlich sicher sein konnten, daß das AAA nicht lange hält. Wenn GS dann die CDOs auflegt und ohne diese Infos verkauft, ist das in meinen Augen schlicht Betrug.
Stell Dir vor, der TÜV vergibt jemanden eine Plakette auf ein Schrottauto, weil ein anderer Kunde eine Risikolebensversicherung auf den Fahrer abschließen will.
Zu den LBs: mein Mitleid hält sich in Grenzen, aber nur weil es keine Endanleger sind (deren "Schutz" wird langsam grotesk), sind die kein Freiwild, die man bewußt über`s Ohr hauen kann. Es waren ja gerade nicht "irgendwelche" CDOs, die zT sicherlich im (trotzdem falschen) Glauben gestrickt wurden, daß sie ganz toll sind (wegen falscher Annahmen á la "Häuserpreise steigen immer").

Christoph hat gesagt…

War es Buffett, der gesagt hat "Bloss nix kaufen, was man nicht versteht."?

Und die gesamte Financial Alphabet Soup von "MBS" bis "CDO2" versteht halt immer nur der, der das jeweilige Teufelszeug zusammenmixt.

Also bitte kein Mitleid mit den grenzdebilen Käufern.

Der einzige Betrug, den ich hier sehe, ist, dass die Rating-Agenturen ihr AAA-Wapperl drauf gepappt haben.

In diesem Fall sind nämlich Moody's, Fitch & Co. der von Dir erwähnte sprichwörtliche TÜV; nicht GoldmanSucks.

It's a Jungle Out There!

Fabio Bossi hat gesagt…

Einige dieser "grenzdebilden" Käufer haben einen IQ, der wahrscheinlich höher ist, als unsere beiden zusammen, aber egal.
Ich wehre mich nur in dieser speziellen Konstellation gegen die "der Käufer ist doch selber schuld"-Haltung. Von mir aus ändere ich eben das Beispiel (TÜV war natürlich eine Steilvorlage, mit den Ratingagenturen zu kontern): stell Dir vor, Dir verkauft jemand ein Auto, nur weil ein anderer Kunde auf einen Unfall wetten will. Das Auto ist unter seiner Anleitung erst gebaut worden und der Verkäufer hat Dir davon nix erzählt. Daß der TÜV blind war, kommt noch dazu.

Ansonsten lasse ich mir mein kaufmännisches Rechtsempfinden sicher nicht von der Wall Street versauen.

Christoph hat gesagt…

"Einige dieser "grenzdebilden" Käufer haben einen IQ, der wahrscheinlich höher ist, als unsere beiden zusammen, aber egal."

Auf jeden Fall verdienen sie das x-tausendfache von uns beiden zusammen.


"Ich wehre mich nur in dieser speziellen Konstellation gegen die "der Käufer ist doch selber schuld"-Haltung.
...
Das Auto ist unter seiner Anleitung erst gebaut worden und der Verkäufer hat Dir davon nix erzählt.
...
Ansonsten lasse ich mir mein kaufmännisches Rechtsempfinden sicher nicht von der Wall Street versauen."


Die Erklärung für Dein moralisches Empfinden ist einfach:

Im angelsächsischen Kulturraum gilt "caveat emptor". Der Käufer ist für die Due-Diligence selber verantwortlich.

Im mitteleuropäischen Kulturraum gilt "culpa in contrahendo".
Hier bist DU geprägt worden.

So und jetzt stell Dir vor, was passiert, wenn so ein Produkt von einem angelsächsischen Wallstreetler an einen mitteleuropäischen Banker verkauft wird.

Genau. Das passiert!

Fabio Bossi hat gesagt…

Das mit der c.i.c. ist zwar ein interessanter Aspekt, aber die Aufklärung und die Aufregung über diese Praxis habe ich aus US-Blogs und Webseiten. Die deutschen LBs schweigen meines Wissens bislang dazu (oder haben es noch garnicht kapiert).
Diese ganz spezielle Praxis (die Paulson-Deals) gelten auch in den USA nicht als "ok", weil der Käufer "selber schuld" ist (anhand der Schadenersatzklagen kann man übrigens auch den Eindruck gewinnen, daß die USA die Meister der "c.i.c." sind).

Anonym hat gesagt…

Servus Jungs,
"In Sachen Staatsverschuldung sehe ich die "Spekulanten" eher als Sündenböcke."
Meine Meinuung: Don't blame the player, blame the game...
Zu dumm: CDS-Bashing ist jetzt auch schon out. Zumindest im Fall Griechenland. Meint auch Tyler Durden. Verrückte Zeiten ;-)
Noch einen zur allgemeinen Erheiterung, ebenfalls Tyler Durden: Market News reports that a senior member of Chancellor Palpatine, er, Angela Merkel's CDU/CSU-FDP government coalition has told the news agency that "Greece cannot count on financial help from the European Union and has to solve its budget problems on its own."
Selbst wenn man Palpatine nicht kennt, kann man immer noch über das Zitat schmunzeln...
Habe die Ehre.

Anonym hat gesagt…

Übrigens:
TX Primaries.
District 14
Ron Paul 80.76%.
Habe die Ehre.

Christoph hat gesagt…

Dass das in den USA zu Aufregung führt, ist klar. Die Angelegenheit ist ja auch nicht absolut koscher.

Mit dem Verweis auf caveat emptor wollte ich lediglich auf einen Ursprung der Geisteshaltung der Bankster hinweisen.

Jedoch gibt es aus meiner Sicht deutlich gravierendere Verbrechen:
z.B. Insiderhandel, HFT+Frontrunning, Naked Shorting etc.

John Paulson hat wenigstens frühzeitig erkannt, dass man den Subprime-Markt shorten sollte und hat diese Erkenntnis rigoros in grossem Stil umgesetzt.
Das zeigt doch, dass der Mann den richtigen Riecher hatte. Respekt!
Dass GS ihm dann diese CDOs gebastelt hat: ja mei....

Hoffen wir mal, dass er jetzt mit Gold richtig liegt.

Christoph hat gesagt…

@ Anonym

Danke, dass Du mit dieser guten Nachricht unseren trockenen Dialog aufgefrischt hast.

You made my day!

Anonym hat gesagt…

Gern geschehen.
Streng genommen waren aber es die texanischen Wähler.
Habe die Ehre.

Fabio Bossi hat gesagt…

Sorry Christoph, aber da muß ich stur bleiben ;-)
Ich hatte nämlich auch Respekt vor Paulson und ich habe auch vor jedem Respekt, der sich mit offenem Visier und gutem Gespür eine goldene Nase verdient hat, in dem er die Banken in Grund und Boden geshortet hat - aber eben nicht naked! Was er gemacht hat ist dieselbe moralische Liga wie Naked Short Selling. Die Sucht nach dem sicheren Deal.

Christoph hat gesagt…

Wenn du so stur bleibst, vermute ich, dass Du schlicht über mehr belastendes Material verfügst als ich. ;-)

Mein Wissensstand:
Paulson wollte den Subprimemarkt shorten. Es gab keine geeigneten Instrumente. GS hat extra für ihn ein paar CDOs gebastelt. Und in denen war - absichtlich - noch mehr Dreck drin als sonst eh drin gewesen wäre.

Schick mir doch einfach mal einen Artikel, der die Sauerei näher beleuchtet.
Anscheinend habe ich was übersehen. Ich hab mich mit dem Fall offensichtlich noch gar nicht so richtig beschäftigt.

Fabio Bossi hat gesagt…

Hi Christoph,

es ist echt lustig. Das mit dem Artikel wollte ich gerade machen, als ich Deinen Kommentar bekommen habe.
Allerdings weniger die Beleuchtung von Paulson, sondern von einem CDO-Trader, der es auf eine Art gemacht hat, die ich respektiere und für völlig legitim halte:

http://www.vanityfair.com/business/features/2010/04/wall-street-excerpt-201004

Der Artikel ist übrigens auch super geschrieben (von Mike Lewis, also so, daß es Spaß macht es zu lesen). Der Unterschied zwischen dessen Vorgehensweise (Mike Burry, der Hedgefondsmanager) und Paulson ist das, was ich meine.

Fabio Bossi hat gesagt…

PS:

Für alle, die sich den Artikel sparen wollen:

Es gab die CDOs (Anleihen) sehr wohl und auch die CDS ("Versicherungen") gegen den Ausfall. Das wird in dem Artikel sehr schön beschrieben. Mike Burry hat sehr früh erkannt, daß die CDOs Schrott sind und hat für die "Auflage" der CDS gesorgt. Er hat 2 Jahre lang nur bezahlt und bezahlt (die Versicherungsprämie). Er hatte das echte Risiko, daß es schief geht (weniger aus seiner Sicht, aber theoretisch).
John Paulson hingegen hat zusammen mit GS erst später extra Anleihen schaffen lassen, von denen beide wußten, daß sie Schrott sind und viel zu teuer. GS hat dann diese Anleihen verkauft und die "Versicherung" für Paulson geschaffen. Das ist nach meinem Empfinden schlicht Betrug.

Kleine Abschweifung:

Ob ein "gesunder echter Markt" es "zulassen" würde, daß Absicherungen (CDS) kreiert werden, ohne daß man das eigentliche Risiko in den Büchern hält und ob das überhaupt "moralisch" legitim ist, lasse ich mal außen vor.
Das ist nämlich der Unterschied zwischen einem "Hedge" und einer direktionalen Wette. Auch Burry hatte nach meinem Verstädnis garnicht die Anleihen, gegen deren Ausfall er sich "versichern" wollte.
Es gibt ja Leute, die das auch schon für fragwürdig halten und das kann ich schon auch nachvollziehen, wobei ich da auch eher "caveat emptor" sagen würde.

Christoph hat gesagt…

Juristisch - glaube ich - ist an CDS nicht auszusetzen.

Gibt ja schliesslich auch Wettbüros und Las Vegas.

Das Problem sehe darin, dass das systemische Risiko durch die CDS enorm erhöht wird.

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