Freitag, 12. März 2010

SEC und New York FED von IRREN geführt

Ich greife das Thema doch noch einmal auf. Gestern Abend wurde in den USA der 2200-seitige Untersuchungsbericht zur Pleite der US-Bank Lehman Brothers der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bank war im September 2008 kollabiert und hatte damit den damaligen Abwärtsstrudel an den Weltmärkten mit ausgelöst. Die Ergebnisse der monatelangen Recherche von Chefermittler Anton Valukas sind – vorsichtig ausgedrückt – schockierend, auch wenn ich dachte, daß ich in puncto Lug und Trug nach den Geschehnissen der letzten Jahre beinahe schon alles gesehen haben könnte. Nach meiner ersten Einschätzung übertreffen die Vorgänge sogar die kriminelle Energie eines Bernie Madoff, nur daß leider vermutlich niemand im Gefängnis landen wird. Valukas schreibt in seinem Bericht nämlich, daß zumindest die Grenze zur „groben Fahrlässigkeit“ nicht überschritten worden sei. Aus den wenigen Auszügen, die ich studiert haben, erschließt sich mir diese Schlußfolgerung nicht. Der Spiegel schreibt:
„…Der Wirtschaftskrimi um Lehman Brothers geht in eine neue Runde: Einem umfassenden Prüfbericht zufolge war die US-Investmentbank bereits Wochen vor
ihrem Kollaps im September 2008 zahlungsunfähig. Doch das Wall-Street-Institut
habe seine Probleme mit Bilanztricks kaschiert und so Anleger, Geschäftspartner
und Aufsichtsbehörden in die Irre geführt
…“
Die Aussage, daß die Aufsichtsbehörde „in die Irre geführt“ worden sei, ist schlicht unhaltbar. Vielmehr drängt sich die Frage auf, ob die zuständigen Behörden SEC (Börsenaufsicht) und New York Fed (Regulierungsbehörde) nicht VON IRREN geführt werden. Um nicht den Eindruck zu erwecken, daß ich mich in haltloser Polemik ergehe, möchten ich nur eine einzige Passage aus den 2200 Seiten für den geneigten Leser übersetzen. Einleitend sei daran erinnert, daß im März 2008 bereits die US Bank Bear Stearns zusammengebrochen war. Die im nachfolgenden Text erwähnten „Stress Tests“ wurden später im Jahr 2009 berühmt, als das gesamte US-Bankensystem unter der Führung des neuen US-Finanzministers Timothy Geithner solchen Tests unterzogen wurde. Geithner war zum Zeitpunkt der nun geschilderten Ereignisse übrigens noch der verantwortliche Chef der erwähnten New York Fed
„…Nach dem März 2008, als die SEC und die NY Fed mit ihrer täglichen Vorortüberwachung begannen, wandte sich die SEC an die NY Fed, um strengere Stress-Test-Szenarien zu erarbeiten, um zu prüfen, ob Lehman einem potentiellen oder tatsächlichen Ansturm auf die Bank widerstehen könne. Die NY Fed entwickelte zwei neue Stress-Test-Szenarien: “Bear Stearns” und “Bear Stearns Light”. Lehman bestand beide Tests nicht. Die NY Fed entwickelte daraufhin eine neue Reihe von Annahmen für einen weiteren Test, den Lehman aber wiederum nicht bestand. Allerdings führte Lehman auf Basis ähnlicher Annahmen selbst Stress-Tests durch und bestand. Es sieht nicht so aus, als hätte irgendeine Behörde irgendeine Maßnahme von Lehman als Reaktion auf die Stress-Tests gefordert....“
Stellt Euch vor, jemand würde beim TÜV eine absolute Schrottlaube zur Hauptuntersuchung anmelden. Der TÜV würde dann die Prüfkriterien schrittweise herabsetzen und da er den Wagen trotz aller „Mühen“ dennoch nicht als verkehrstauglich einstufen könnte, würde er den Halter einfach selbst prüfen lassen! In so einem Fall davon zu sprechen, daß der Halter den TÜV „in die Irre geführt“ hätte, grenzt in meinen Augen an Wahnsinn. In den USA wird der TÜV-Prüfer allerdings anschließend noch zum Verkehrsminister ernannt…

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