Mittwoch, 17. Februar 2010

An die Lateiner und Graecisten: Was ist ein "Hybrid"?

Ich hatte zwar beides (lat. und gr.) in der Schule, aber in dem Fall bin ich überfragt. Ich kenne zwar "Hybris" und auch "Hybrida", aber ich weiß nicht, wann und wieso die Römer aus dem "Hochmut, Übermut" den "Mischling" gemacht haben.
Ich habe auch im Gemoll gesucht, habe aber kein etymologisches Lateinwörterbuch zur Hand.

Mehr als das hier habe ich im Netz auch nicht gefunden:

http://wapedia.mobi/de/Diskussion:Hybrid

Die Frage habe ich mir gestellt, weil Moodys ausgerechnet griechische "Hybridanleihen" downgegraded hat:

http://www.zerohedge.com/article/moodys-downgrades-greek-hybrid-securities-it-kills-its-assumptions-about-government-bail-out

Die Götter auf dem Olymp müssen sich kugeln vor lachen. Oder wohnen die heute in 85 Broad Street, New York, USA?

Kommentare:

Christoph hat gesagt…

Das Latinum habe ich nur mit Mühe geschafft.

Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass es die mythischen Hybriden schon lange vor der griechischen Hochkultur gab:

Der ägyptische Gott Anubis ist ein Mensch mit Schakalkopf.

Die Centauren gab es schon bei den Sumerern und in Babylon.

Zur Wortherkunft "Hybrid" kann ich nichts beitragen.

Christoph hat gesagt…

And last but not least:

Geht der ziegenköpfige Baphomet nicht auf altjüdische Schriften zurück?

Fabio Bossi hat gesagt…

Sehr interessant!

Allerdings frage ich mich, ob die Griechen z.B. den Minotaurus auch einen "Hybriden" genannt haben. In meinem Alt-Griech. Wöterbuch stand da nix darüber. Das hat mich ja so gewundert, weil ich dachte, daß das Wort garantiert aus dem Alt-Griech. kommt.

Kristof Berking hat gesagt…

Lateinisch "hybrida" ist tatsächlich aus griechisch "hybris" gebildet und bezeichnet schon in klassischer Zeit einen Mischling oder Bastard bei Tieren bzw. den Abkömmling eines römischen Bürgers bzw. Freigelassenen und einer Nichtbürgerin bzw. Sklavin. Die griechische Hybris ist nicht nur Hoch- oder Übermut, sondern auch eine Freveltat, eine Schändung, Entehrung, Zügellosigkeit usw., so daß wohl davon auszugehen ist, daß eine Vermischung als ein Verstoß gegen die gottgewollte Ordnung und als etwas Unschickliches angesehen wurde. Daher wurde eben das Ergebnis einer unsittlichen Verbindung auch entsprechend bezeichnet. "Hybrid-" kann ja heute auch noch einen schlechten Beigeschmack haben.

Fabio Bossi hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Fabio Bossi hat gesagt…

So. Diesmal ohne dumme Fehler:

@Kristof:

Wunderbar erklärt! Das ist auch mein Verdacht.
Bzgl. des Beigeschmacks: Ich bin ja über "Hybrid"-Anleihen auf die Idee gekommen mal nachzuforschen. Unser "Fiat-Money-System" beruht auf sovielen "Hybriden", daß es eher "Hybrid-Money-System" heißen sollte. So wie die FED ja auch nicht privat und nicht staatlich, sondern eben "hybrid" ist.
"Mischling" und "Hochmut" sind interessante Wortwurzeln.

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