Dienstag, 20. April 2010

"Risikomanagement" im Lügensumpf

William K. Black hat heute vor dem "Committee on Financial Services" im US-Repräsentantenhaus zur Finanzkrise, speziell zu Lehman Brothers ausgesagt. Seine Spezialität ist, wie er selber sagt "financial fraud by elites and financial regulation". Er ist für eine gründliche staatliche Regulierung und dennoch kann ich ihn als libertärer Anarchokapitalist verstehen (allein, mir fehlt der Glaube). Die Märkte, die Herr Black regulieren möchte, "die Finanzmärkte", verhalten sich nämlich an ihren Ponzi-Rändern nicht wie "freie Märkte". Und da es nicht nur die Ränder, sondern inzwischen den Kern betrifft, erst recht. Die modernen Finanz"märkte" sind ausgehöhlt durch Buchhaltungstricks. Die modernen Finanzmärkte haben "Buchhaltungstricks" im weitesten Sinne zu ihren Stützpfeilern gemacht. An freien Märkten gewinnt aber der Handschlag und nicht das Kleingedruckte (siehe das Internet), weil Kooperation langfristig überlebenswesentlich ist, wenn man keine "übermarktwirtschaftlichen Kräfte" übertragen bekommt (von wem, wenn nicht vom Staat...). Mißtrauen erzeugt grundsätzlich entropische Verluste. Man sollte Geschäftspartnern und Kunden grundsätzlich schlicht trauen können, weil der Kontrollaufwand für 100%ige Sicherheit zu hoch wäre.
"Liar Loans", auf nicht-existenter bzw. grob falscher Bonitätsprüfung beruhende Darlehen mögen kurzfristige Gewinne ermöglichen, sie führen aber mit mathematischer Gewißheit zu späteren drastischen Verlusten. An einem freien Markt wird eine Bude, die so etwas macht, nicht zur systemrelevanten "Too-Big-To-Fail"-Bank. Und wenn, dann werden an einem freien Markt die Verantwortlichen eher noch geteert und gefedert, als daß sie laufengelassen werden.
Black formuliert das Grundproblem so, im Kontext der haarsträubenden Verfehlungen von Lehman (und dem halben Dutzend verantwortlicher Regulierungsbehörden) rund um die besagten "Liar Loans": "Risk management is premised on honest operations, honest data, and honest managers". Daher sei Risikomanagement bei Lehman nicht mehr möglich gewesen. Ich bin der Meinung, daß das heutzutage generell auf das moderne Finanzsystem zutrifft.
Und dem nächsten Finanzheini, der mir etwas davon erzählt, daß Gold keine Zinsen zahlt, dem antworte ich, daß man mit einem Barren von dem Zeug wenigstens Bankster* erschlagen kann.
*"Bankster", nicht alle Bankiers oder Finanzmarktteilnehmer oder Spekulanten. Die, die angesprochen sind, wissen schon, daß sie gemeint sind. Ich gehe nicht davon aus, daß sie hier mitlesen.
PS:
Der Hedgefondsmanager Jim Chanos formuliert es diplomatischer.

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