Freitag, 16. Oktober 2009

Afghanistan-Krieg: Es geht nur noch um Gesichtswahrung

Nicht einmal das wird gelingen

In der vergangenen Woche wurde viel über den andauernden Krieg in Afghanistan diskutiert und debattiert. Dieser Krieg, der schon zweimal so lang wie der Zweite Weltkrieg dauert, ohne dass ein Ende in Sicht wäre, ist einer der längsten Konflikte, an dem sich unser Land jemals beteiligt hat. Mit den jüngsten Eskalationen hat sich die Situation nur noch verschlimmert.
Die gegenwärtige Debatte konzentriert sich gänzlich auf die Frage der Truppenzahl. Wie viel mehr Soldaten sollten hinüber in den Kampf geschickt werden? Die US-Regierung hat bereits bis November die Verlegung zusätzlicher 21.000 amerikanischer Soldaten und Soldatinnen bewilligt, womit unsere Truppenstärke auf 68.000 erhöht werden wird. Werden weitere 40.000 den Auftrag erledigen? Oder sollen wir die Zahl irgendwann um zusätzliche 100.000 aufstocken? Warum nicht 500.000 – rein um „auf der sicheren Seite“ zu sein? Und wie wird die Unterstützung der Öffentlichkeit für diesen wiederhergestellt werden, wenn jetzt 58 Prozent dagegen sind?
Ich ärgere mich über diese sehr eingeschränkten Fragen. Ich habe andere Fragen. Im Jahr 2001 haben wir das Taliban-Regime mit weniger als 10.000 amerikanischen Soldaten gestürzt. Warum scheint es jetzt so, dass die Lage um so schlimmer wird, je mehr Truppen wir senden? Wenn die Sowjets bankrott gegangen sind, weil sie mit einer Truppenstärke von 100.000 in Afghanistan standen und schließlich gezwungen waren, das Land nach einer schmählichen Niederlage zu verlassen, warum bestehen wir darauf, ihrem Beispiel zu folgen? Vor allem aber: Was ist aus all dem zu gewinnen? Wir haben Milliarden Dollar und tausende kostbare Leben investiert – wofür?
Die Wahrheit ist, dass es kein Zufall ist, wenn sich die Lage verschlimmert, je mehr Truppen wir hinüber schicken. Die Dinge verschlimmern sich genau weil wir mehr Truppen verlegen und die Gewalt eskalieren. Wir hoffen, dass eine gute Führung in Afghanistan gewinnt, aber der Kreis potentieller ehrlicher Führer, aus dem man schöpfen könnte, ist vor der Gewalt geflohen und hat ein riesiges Machtvakuum hinterlassen. Bösartige Führer werden durch Krieg nicht unterdrückt, sondern erzeugt. Und je mehr Krieg wir über dieses Land kommen lassen, desto mehr bösartige Führer werden von uns unbeabsichtigt geschaffen werden.
Die wahllose Gewalt und Ungerechtigkeit des Krieges erzeugt außerdem Wut. Wie viele unschuldige Zivilisten sind zu Schaden gekommen durch ungeschickte Bombenangriffe und Fehler, die am Ende Leben kosteten? Menschen sterben schlicht aus dem Grund, am falschen Ort zur falschen Zeit in einer Kriegszone zu sein, aber die Killer werden nie zur Verantwortung gezogen. Stellen Sie sich die Verbitterung und die Wut vor, die Überlebende verspüren müssen, wenn ein Familienmitglied getötet wird und daraufhin nichts unternommen wird. Wenn keine anderen Jobs vorhanden sind, weil alle Unternehmen geflohen sind, was bleibt dann noch übrig, als sich dem Widerstand anzuschließen, wo es nicht nur eine Entlohnung, sondern auch eine Gelegenheit gibt, Rache zu üben? Das ist keine Rechtfertigung unserer Feinde dort drüben, aber wir müssen akzeptieren, dass Leute, wenn wir sie herumschubsen, zurückschubsen werden.
Die wirkliche Frage ist: Warum sind wir überhaupt dort? Was haben unsere jetzigen Anstrengungen mit der ursprünglichen Genehmigung der Gewaltanwendung zu tun? Mit keinem, der an den Angriffen vom 11. September beteiligt war, tragen wir noch was aus. An diesem Punkt können wir nur die Entschlossenheit unserer Feinde stärken und ihre Reihen auffüllen. Wir haben nichts mehr zu gewinnen. Wir sind nur noch dort, um das Gesicht zu wahren, und am Ende werden wir noch nicht einmal dazu in der Lage sein.

Information:
Der vorliegende Text erschien erstmals am 13. Oktober 2009 auf der Webseite www.ronpaul.com und wurde für ef-online von Robert Grözinger übersetzt.

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