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Sonntag, 10. Juli 2011

P2, P3, P4...schon steht der Staatsanwalt vor der Tür

Wikipedia kennt bisher nur P2 und P3, in Italien wütet aber schon der P4-Skandal, wie z.B. der österreichische Standard berichtet (Google quillt zwar mit italienischen Quellen über, deutschprachige Erwähnungen finden sich bislang eher in Österreich und der Schweiz):

"Neuer Skandal um Geheimloge P4

...Auf den jüngsten Skandal um die Geheimloge P4 des Geschäftsmanns Luigi Bisignani und des PDL-Senators Alfonso Papa ging Berlusconi nicht ein. Tausende abgehörter Telefongespräche offenbaren beste Beziehungen zu Ministern, Parlamentariern, Unternehmern, den Generaldirektoren der RAI und der Staatsbahnen sowie Geheimdienstleuten. Es geht um Postenbeschaffung, Geschenke, Bestechungsversuche, lukrative Geschäfte und Bauaufträge. Zu Bisignanis bevorzugten Kontakten gehörte Berlusconis Staatssekretär Gianni Letta, Trauzeuge des inhaftierten Geschäftsmanns. Der Premier wertet die Affäre um die Geheimloge als "Nullnummer"...".

Das Schweizer Fernsehen meldet, ohne den Bezug zum P4-Skandal zu erwähnen:

"Neuer Korruptionsskandal erschüttert Italien

Bislang galt Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti als Garant für den Sparkurs der Regierung. Nun steht Tremonti unter Korruptionsverdacht. Die Märkte reagierten geschockt.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Haftgesuch gegen Marco Milanese gestellt. Dieser gilt als enger Vertrauter Tremontis und war bis vor kurzem sein Berater. Milanese soll gemäss Medienberichten die Miete für eine Wohnung Tremontis in Rom gezahlt haben.

Ausserdem wird Milanese beschuldigt, von einem Unternehmer, einem Bürgermeister und einem Steuerberater Geschenke angenommen zu haben. Als Gegenleistung soll Milanese Informationen zu den Ermittlungen der Steuerpolizei geliefert haben.

Und, um den Bogen zur Eurokrise zu schließen:

"Nach der Bekanntgabe des Haftgesuchs gegen Milanese reagierten die Märkte geschockt. Die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen stiegen stark an."

Milanese soll mit Geld, Autos, Reisen und Luxusuhren bestochen worden sein, für diverseste Gefälligkeiten, die mutmaßlich mehr gebracht, als die Geschenke gekostet haben...Mehr dazu auf italienisch:

Milanese e la P4: pm chiedono l’arresto del braccio destro di Tremonti


Es wird spanend sein zu beobachten, wie die CDS-Märkte das "P4-Risiko" einpreisen:


Italiens größte Bank Unicredit kam am Freitag wieder stark unter Druck, die Aktie wurde zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Freunde von sich reimender Geschichte werden die Ironie goutieren, daß Unicredit (ja, die mit der HypoVereinsbank) die Rechtsnachfolgerin der unseligen Creditanstalt ist:

"Somit wurde die Creditanstalt durch die schwerwiegende Krise im Bankensektor mehrfach belastet und nun selbst zum Sanierungsfall. Am 8. Mai 1931 hatte das inzwischen unumstritten größte österreichische Kreditinstitut für 1930 einen Verlust von 140 Millionen Schilling ausweisen müssen und erklärte am 11. Mai seine Zahlungsunfähigkeit. Das bedeutete nicht nur für Österreich, sondern für ganz Mitteleuropa den Beginn einer Finanzkrise".

Dienstag, 1. Februar 2011

"Die Akte Berlusconi"

Arte bringt heute Abend um 20h15 eine Doku mit interessantem Pressetext (getreu meinem Credo: "Keine Verschwörung ist geheim genug, als daß sie nicht früher oder später ein Italiener ausplaudert"):


"Juristische Auseinandersetzungen und Sexskandale gehören zum sichtbaren Teil des italienischen Spitzenpolitikers Silvio Berlusconi. Vielen gänzlich unbekannt oder von einigen vergessen, ist seine Verbindung zur Geheimloge P2. Die Dokumentation untersucht Berlusconis Beziehungen zu dieser Organisation, die Italien autoritär regiert sehen will.


Silvio Berlusconi hat Italien verändert. Gleich nach seinem Eintritt in die Politik begann der Medienmogul 1994, sich vor allem um seine Probleme mit der Justiz zu kümmern. In den folgenden 16 Jahren brachte er mehr als 36 Gesetze auf den Weg, die seine Prozesse - unter anderem wegen Korruption, Richterbestechung, Bilanzfälschung oder Missachtung der Kartellgesetze - in die Verjährung führten oder ihm Immunität vor Strafverfolgung sicherten. Neben seinen Sexaffären ist dies der sichtbare Teil seiner politischen Präsenz. Der weniger auffallende oder sogar meist unbekannte Teil ist Berlusconis Verbindung zur Geheimloge P2.
Diese geheime Organisation infiltrierte in den 70er und 80er Jahren politische Parteien, Ministerien, Geheimdienste, die Justiz, Großbanken und Medien, um den Staat im Sinne eines autoritären Regimes zu unterwandern. In ihr war quasi die gesamte extreme Rechte Italiens eingeschrieben, auch Silvio Berlusconi war unter der Mitgliedsnummer 1816 dabei.
Die Affäre galt als längst vergessen, bis Berlusconi seine Angriffe auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen Italiens, die Justiz und die italienische Verfassung startete. Als er schließlich forderte, Italien solle von einer parlamentarischen zu einer präsidialen Republik werden, fühlten sich viele Italiener an die Zeit erinnert, als das Umsturzprogramm der Geheimloge P2 bekanntwurde. Erste Stimmen warnten und fragten: Ist da nicht einer am Werk, das Drehbuch der P2 eines autoritäreren Staates in die Tat umzusetzen?"

 
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