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Dienstag, 28. Juli 2009

Ein "Silberner Schwan" für die Gottspieler?

Die ganzen "Schwarzen Schwäne", die normalsterbliche Marktteilnehmer in den letzten 2 Jahren ereilten, haben die "Big Player" wie HSBC, JP Morgan, Goldman Sachs und die Deutsche Bank - vor allem Dank Genosse Vater Staat - mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Gerade die US-Giganten Goldman Sachs und JP Morgan konnten sogar wichtige Marktanteile gewinnen, da Konkurrenten untergegangen sind (bzw. wurden). Für iShares, der kürzlich von Barclays an BlackRock verkaufte ETF-Anbieter und ETF-Securities, droht nun Ungemach, der für die gesamte Elite der Fiat-Money-Player ein Waterloo bedeuten könnte - ein "Silver Swan Event" sozusagen. Die unter Wall-Street-Insidern viel beachtete Internetseite "Zerohedge.com" hat die veröffentlichten Bestände der Silber-ETFs der beiden genannten Anbieter unter die Lupe genommen und nach Ungereimtheiten abgesucht. So wurden beispielsweise beim Ishares Silver ETF 11,88% der Barren laut diesen öffentlichen Listen doppelt gezählt. Überprüft wurde dabei der Hersteller (die Marke) des Barrens, die Seriennummer und das Gewicht. Zerohedge hat die Bestandslisten nach folgenden Kriterien untersucht:

Internal Duplicate: A silver bar with identical serial number and
brand, listed two or more times within a single inventory list.

Interne Duplikate: Ein Silberbarren mit identischer Seriennummer und Marke, der zwei- oder mehrfach auf einer einzelnen Bestandsliste auftaucht.


Rough Internal Duplicate: A silver bar with an almost-identical
serial number (AB1024 vs 1024), yet identical brand and weight,
listed two or more times within a single inventory list.

Grobe intene Dupliakte: Ein Silberbarren mit fast identischer Seriennummer (AB1024 gegenüber 1024), aber gleicher Marke und gleichem Gewicht, der zwei- oder mehrfach auf einer einzelnen Bestandsliste auftaucht.

Perfect Internal Duplicate: A silver bar with identical serial number, weight, and brand listed two or more times within a single inventory list.

Perfekt interne Duplikate: Ein Silberbarren mit identischer Seriennummer, Gewicht und Marke, der zwei- oder mehrfach auf einer einzelnen Bestandsliste auftaucht.

Weight Duplicate: A silver bar with identical brand and weight listed two or more times on a single inventory list.

Gewichtsduplikate: Ein Silberbarren mit identischem Gewicht und Marke, der zwei- oder mehrfach auf einer einzelnen Bestandsliste auftaucht.

Cross Reference Duplicate: A silver bar with identical serial number and brand listed on two or more separate inventory lists.

Überkreuzduplikate: Ein Silberbarren mit identischer Seriennummer und Marke, der zwei- oder mehrfach auf verschiedenen Bestandslisten auftaucht.


Zerohedge faßt die Ergebnisse wie folgt zusammen:
"In ihrer Gesamtheit betrachtet, geben diese Anomalien Anlaß zur Sorge und wir schlagen vor, daß geeignetere Teams (Hallo SEC und CFTC? Anm. Bavaria4RP) weitere Untersuchungen anstellen, da sie den Preisfindungsmechanismus im Edelmetallmarkt beeinflussen, da diese ETF-Anteile für das Settlement und möglicherweise auch für eine manipulative Preisdrückung an der COMEX benutzt werden.
Wenn die Probleme durch Buchhaltungsfehler verursacht wurden, sind sie verstörend und vielleicht ein Zeichen tiefster Inkompetenz und wir schlagen vor, daß beide Fonds ihr leitendes Management auswechseln.
Unserer Ansicht nach sind die einzigen beiden Erklärungen dafür, daß diese Anomalien so gehäuft passieren, wie in unserer Untersuchung aufgezeigt, entweder systematischer Betrug oder grobe buchhalterische Fehler, die aus schreiender Inkompetenz resultieren."
Dies sind nicht die ersten Vorwürfe, die gegen die COMEX laut geworden sind. Die Konsequenzen sind unabsehbar. Der Preis für Silber könnte z.B. einstürzen, weil ETF-Anteile zurückgegeben werden, um dann in die Höhe zu schießen, wenn die tatsächliche Knappheit wieder den Preis bestimmt. Es wird spannend sein, die Reaktionen der Fondsgesellschaften und ihrer Konkurrenten zu beobachten. Wer weiß, zu welchen Adressen das Geflecht der Papier-Edelmetall-Big-Player führt, kann ferner erahnen, was eine Panik am Silber- und Goldmarkt für Konsequenzen an den Finanzmärkten haben könnte.
Wer sich die beanstandeten Listen selber ansehen will, sie sind hier verlinkt:

Mittwoch, 22. Juli 2009

Hedgefondsmanager tauscht Papiergold in physisches Edelmetall

Der amerikanische Hedgefondsmanager David Einhorn von Greenlight Capital, der u.a. durch sein zeitiges "shorten" von Lehman Brothers bekannt wurde, hat im letzten Quartal seine Anteile am SPDR-Goldtrust-ETF in physisches Gold eingetauscht. Seinen Kunden schrieb Einhorn laut Bloomberg, daß er damit "mindestens Gebühren spare". Was er "maximalerweise" erreichen will, wissen wir natürlich nicht, aber offenbar traut er dem weltgrößten Gold-ETF auch nicht mehr über den Weg.

Dienstag, 14. Juli 2009

Moderne Alchemisten - "Es werde Gold" an der COMEX?

Adrian Douglas von GATA berichtet in seinem Artikel "The Alchemists" über die Praxis der Warenterminbörsen COMEX (New York) und TOCOM (Tokyo) seit 2005 bzw. 2008 Anteile an Gold-ETFs zur Erfüllung von Lieferverpflichtungen, etwa aus vorangegangenen Leerverkäufen, heranziehen zu können. Douglas hatte sich gewundert, daß die Berichte über Auslieferungen ("Delivery Notices") nicht mit den Bewegungen von physischem Gold aus dem COMEX-Lager übereinstimmen und erklärt die Diskrepanz mit der oben erwähnten neu geschaffenen Möglichkeit. Unklar bleibt für mich allerdings, wer sich mit der "Lieferung" von Gold-ETF-Anteilen zufrieden gibt, wenn er schon keinen Barausgleich bei Fälligkeit seines Kontraktes wählt. Möglich wäre vielleicht, daß sich auch einige Profi-Investoren wie John Paulson den Verkaufsprospekt des weltgrößten Gold-ETF "SPDR Gold Trust" nicht durchgelesen haben und tatsächlich meinen, in diesem Vehikel ein Goldäquivalent zu besitzen, obwohl nach meinem Verständnis das Gold dort nichteinmal gegen einfachen Diebstahl versichert ist und fraglich ist, wie es überhaupt um die Golddeckung des ETF steht.
Bislang war von GATA und anderen nur kritisiert worden, daß mehr "Papiergold" in Form von Terminkontrakten (Futures) gehandelt wurde, als überhaupt lieferbar ist. Das wäre im Zweifel allerdings das Problem der Marktteilnehmer, da sich ja schließlich jeder das Gold ausliefern lassen könnte. Wenn nur wenige das tun, kommt es eben unter Umständen zu Verzerrungen. Sollte stimmen, was Douglas in seinem Artikel beschreibt, dann hieße das einfach ausgedrückt, daß man sogar diese Terminkontrakte mit Papiergold begleichen könnte, was in meinen Augen das Prinzip einer Warenterminbörse ad absurdum führt. Ich kann schließlich eine Lieferverpflichtung in Rohöl auch nicht mit einem Erdölzertifikat erfüllen.

 
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